Gedenkstätte Hadamar
GEDENKSTÄTTE FÜR DIE OPFER DER NS-EUTHANASIE-VERBRECHENDIE NS-EUTHANASIE-MORDE IN DER LANDESHEILANSTALT HADAMAR
1941-1945
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges fing nicht nur der Krieg nach außen, sondern auch ein Vernichtungsfeldzug nach innen an: Die systematische Erfassung und Ermordung der Patientinnen und Patienten von Heil- und Pflegeanstalten. Eine von der Kanzlei des Führers in Zusammenarbeit mit dem Reichsministerium des Inneren gegründete Verwaltungszentrale in Berlin (Tiergartenstraße 4) plante und organisierte die als „Euthanasie“ bezeichneten Morde an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.
Ende 1940 wurde die Anstalt Hadamar in eine Tötungsanstalt umgebaut. Damit sollte Hadamar neben Brandenburg, Bernburg, Grafeneck, Hartheim und Pirna-Sonnenstein als sechste und letzte „T4“-Gasmordanstalt in die dunkle Geschichte der NS-Psychiatrie eingehen.
Von Januar bis August 1941 wurden im Keller der Anstalt in einer als Duschraum getarnten Gaskammer über 10.000 Kinder, Frauen und Männer mit Kohlenmonoxyd-Gas ermordet. Ihre Leichen wurden anschließend in zwei eigens eingebauten Krematoriumsöfen verbrannt.
ZWISCHEN 1941 UND 1945 WURDEN IN DER LANDESHEILANSTALT HADAMAR 15.000 MENSCHEN ERMORDET.
Der Abbruch der Gasmorde im August 1941 bedeutete nicht das Ende der NS-Euthanasie-Verbrechen. In Hadamar wurden die Morde ab August 1942 fortgesetzt. Jetzt wurden die Menschen mit überdosierten Medikamenten und Hungerkost getötet. Bis zum Kriegsende im März 1945 kamen noch einmal ca. 4.500 Menschen ums Leben.
Unter die Hadamarer Opfer fielen ab 1943 psychisch auffällige Personen aus den bombardierten Gebieten, „halbjüdische“ Kinder, die der Fürsorge unterstanden, tuberkulosekranke Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und deren Kinder sowie psychisch kranke Wehrmachts- und SS-Soldaten.
DIE GEDENKSTÄTTE HADAMAR
Die Gedenkstätte Hadamar erinnert an die Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie-Verbrechen.
Sie versteht sich als ein Ort des Gedenkens, der historischen Aufklärung und politischen Bildung und richtet sich dabei an Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ihre Aufgabe ist es, Kenntnisse über die NS-Euthanasie-Verbrechen zu vermitteln, aber auch aktuelle Fragestellungen der politischen Bildung zu thematisieren.
Dies geschieht im Rahmen von begleitenden Rundgängen, Studientagen, mehrtägigen Projekttagen oder auch Theaterworkshops. Gleichzeitig richtet die Gedenkstätte Hadamar für alle Interessierten themenbezogene Kulturveranstaltungen wie Lesungen, Theateraufführungen und Konzerte
aus.
Durch die inhaltliche Bearbeitung von regionalen sowie überregionalen Themen leistet sie einen wichtigen Beitrag innerhalb der NS-Euthanasie-Forschung. Darüber hinaus stellen auch die Auskunftserteilung über Opferschicksale und die Betreuung von Angehörigen der NS-Euthanasie-Opfer wesentliche Aufgabenbereiche innerhalb der Gedenkstättenarbeit dar.
HISTORISCHER ABRISS
1953 wurde durch die Einweihung eines Reliefs im damaligen Hauptgebäude des psychiatrischen Krankenhauses (heute Haus 5) erstmals in Deutschland der Opfer der NSEuthanasie-Verbrechen gedacht.
1964 wurde der ehemalige Anstaltsfriedhof, auf dem die Ermordeten der Jahre 1942 bis 1945 in Massengräbern beerdigt wurden, in eine Gedenklandschaft umgestaltet und eine Stele mit der Inschrift „Mensch, achte den Menschen“ errichtet.
1983 erarbeitete eine Forschergruppe die erste Dokumentation zu den NS-Euthanasie-Verbrechen in Hadamar.
Heute besteht die Gedenkstätte aus den noch erhaltenen authentischen Kellerräumen mit der ehemaligen Gaskammer, der früheren Busgarage, einer 1991 erarbeiteten Ausstellung und dem Friedhof.
GRUNDRISS DES ERDGESCHOSSES MIT AUSSTELLUNGSGLIEDERUNG
Die dokumentarische Ausstellung informiert über die NS-Euthanasie-Verbrechen, deren Voraussetzungen und Nachwirkungen.
1 1883-1932 Vorgeschichte
17 1933-1939 Anstaltspsychiatrie im Nationalsozialismus
19 1939-1941 Die erste Phase der NS-Euthanasie-Morde
39 1942-1945 Die zweite Phase der NS-Euthanasie-Morde
54 Die Haltung der Bevölkerung
59 Die Nachkriegsprozesse
66 Wiedergutmachung und Gedenken
(Skizze)
GRUNDRISS DES KELLERS
(Skizze)
FÜHRUNGEN/BESUCHERBETREUUNG
Führungen sind nur nach Voranmeldung, bei Bedarf auch an Wochenenden möglich. Die ca. 3-stündige Führung beinhaltet eine Einführung in das Thema, die Begehung der Ausstellung, der authentischen Kellerräume und des Friedhofs sowie eine Abschlussdiskussion. Die Gedenkstätte bietet nach Absprache auch Projekttage und Seminare an.
ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag bis Donnerstag 9.00 bis 16.00 Uhr
Freitag 9.00 bis 13.00 Uhr
(an Feiertagen geschlossen)
An jedem ersten Sonntag im Monat ist die Gedenkstätte von 14.00 bis 17.00 Uhr geöffnet. Für interessierte Besucherinnen und Besucher findet an diesem Tag um 14.30 Uhr eine öffentliche Führung statt.
KONTAKT
Gedenkstätte Hadamar
Mönchberg 8 | 65589 Hadamar
Telefon 06433 917 - 172 | Fax 06433 917 - 175
gedenkstaette-hadamar@lwv-hessen.de
www.gedenkstaette-hadamar.de
Impressum:
Landeswohlfahrtsverband Hessen
Ständeplatz 6-10
34117 Kassel
Fotos
Archiv des Landeswohlfahrtsverbandes Hessen,
Monika Brauns, Melanie Engler
Text
Melanie Engler, Georg Lilienthal
Layout
Melanie Engler, Heiko Horn
Druck
Druckerei des LWV Hessen
Stand
April 2011








